Das Immunsystem – unterstützen Sie Ihren Freund und Helfer

Dr.med. Michael Bardutzky – Facharzt für Innere Medizin

Jeden Tag kommen wir Menschen, wie alle anderen Lebewesen, in Kontakt mit einer Vielzahl potenziell krankheitserregender Viren, Bakterien und anderen Mikroben. Ein gesundes Immunsystem schützt meist zuverlässig vor deren Angriffen und kann damit viele ernsthafte Infektionskrankheiten verhindern.

Als Immunsystem bezeichnet man eine Vielzahl von Molekülen (beispielsweise Immunglobuline) und spezialisierte Immunzellen (wie die weißen Blutkörperchen und ihre Untergruppen), die im Blutkreislauf zirkulieren und auf ständiger Patrouille sind:  Neben der Abwehr von Infekten werden auch Krebszellen, die immer wieder an den unterschiedlichsten Stellen im Organismus entstehen, schon in ihrer Entwicklungsphase abgetötet.

Menschen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten haben ein erhöhtes Risiko für Infektions- und Krebserkrankungen; solche Defekte lassen sich oft anhand spezieller Blutwerte erkennen. Für gesunde Menschen existieren hingegen keine konkreten Marker für ein besonders starkes Immunsystem. Gleichwohl gibt es zahlreiche Lebensstilmaßnahmen, die es dauerhaft stärken können.

Seit vielen Jahren bekannt und durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt, sind die positiven Effekte regelmäßiger Bewegung auf das Immunsystem. Etwa 150 Minuten moderaten Ausdauersports pro Woche, in Form von Schwimmen, Nordic Walking, lockerem Joggen, Radsport oder vergleichbaren Bewegungsformen und verteilt auf mehrere Trainingseinheiten stimulieren und stärken unser Immunsystem regelmäßig und effizient.

Ebenso wichtig und unabdingbar ist permanentes Nichtrauchen. Durch die Giftstoffe im Tabak werden nicht nur Lunge, Herz und zahlreiche andere Organe geschädigt; diese schädigen auch das Immunsystem, sodass es nicht mehr seinen primären Aufgaben gerecht werden kann.

Möglicherweise kann auch ein ausreichend hoher Vitamin D-Spiegel zum Schutz vor manchen Infektionskrankheiten beitragen. Vitamin D wird in unseren Breiten nur in geringen Mengen mit der Nahrung aufgenommen, kann aber bei ausreichender Sonnen-Exposition vom Organismus selbst gebildet werden. Hierzu genügen in den Sommermonaten meist ca. 15-30 Minuten moderaten Sonnenscheins auf das Gesicht und die Unterarme. In den sonnenarmen Wintermonaten findet sich jedoch häufig ein zu niedriger Vitamin D-Spiegel im Blut, der mit entsprechenden Präparaten ausgeglichen werden kann.

Zink und Selen, die oft zur Stärkung des Immunsystems angepriesen werden, entfalten entgegen aller Werbeversprechen keine wissenschaftlich belegte Wirkung auf das Immunsystem. Gleiches gilt auch für andere Vitamin- oder Colostrum-Präparate.

Ob eiskaltes Duschen oder regelmäßiges Saunieren das Immunsystem stärkt, lässt sich nicht abschließend belegen. Jedoch kann ein positiver Effekt, auch im Sinne eines Placebo-Effekts auf die Abwehrkräfte nicht ausgeschlossen werden. Zudem führt regelmäßiges Saunieren zur besseren Durchblutung der Schleimhäute und somit zu einer weiteren wichtigen Barriere gegen viele Viren und Bakterien.

Nicht zu unterschätzen ist auch die positive Wirkung von ausreichendem Schlaf auf das Immunsystem. Die optimale „Schlafmenge“ ist individuell unterschiedlich und kann nicht pauschal quantifiziert werden. Es gibt jedoch Studien, in welchen eine vermehrte Infektanfälligkeit nach wenigen, von Schlafmangel geprägten Nächten gezeigt werden konnte. Nicht nur das Gehirn und andere Organe, sondern auch das Immunsystem benötigen demnach ausreichend Schlaf und zur effizienten Regeneration.

Schließlich können zahlreiche chronische Krankheiten, wie Diabetes mellitus, Lungen- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu einer dauerhaften Schwächung des Immunsystems führen. Diese Krankheiten beanspruchen ein hohes Maß an Energie, die dann dem Immunsystem nicht mehr zur Verfügung steht.

Die Vorbeugung beziehungsweise das „Nichtvorhandensein“ solcher Erkrankungen stellt eine wichtige Voraussetzung zum Schutz vor diversen Infektions- und Krebserkrankungen dar. Gerade in der aktuellen Corona-Pandemie zeigt sich eindrücklich, dass chronisch Kranke im Falle einer Infektion mit Sars-Cov-2 deutlich häufiger symptomatisch werden beziehungsweise die Erkrankung in diesen Patientengruppen häufiger einen schweren Verlauf nimmt.

Dies unterstreicht einmal mehr den hohen Stellenwert eines präventiv günstigen Lebensstils, den wir im Rahmen unserer Check-ups propagieren. Für unerwartete Ereignisse, die unser Gesundheitssystem überfordern können, sind gesunde und fitte Menschen dann viel besser gewappnet.