PRAEVENEO BLOG / GESUNDHEIT

Neues zum Bluthochdruck

27. Februar 2014
von Dr. med. Eugen Renz

In den letzten Jahren ging der wissenschaftliche Trend in Richtung einer immer strengeren (medikamentösen) Blutdruckeinstellung. Die Empfehlungen bei Hochrisikopatienten (mit Diabetes, Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen) waren besonders strikt. Die geforderten Zielblutdruckwerte lagen < 130/80 mm Hg.Die neuesten, auf den Ergebnissen großer internationaler Studien beruhenden wissenschaftlichen Leitlinien zeigen jedoch nun veränderte Therapieempfehlungen. Diese sind weniger streng. Vor allem sind die Zielwerte für die angestrebte Blutdruckobergrenze praktisch einheitlich auf < 140/90 mm Hg festgelegt worden.

Eine medikamentöse Therapie ist demnach erst ab oberen (systolischen) Blutdruckwerten von 160 und/oder unteren (diastolischen) Werten ab 100 mm Hg erforderlich, nicht jedoch bei Werten unter 140/90 mm Hg.

Bei Werten dazwischen („milder Bluthochdruck“) kommt es sehr darauf an, ob weitere Risikofaktoren vorliegen (z. B. Nikotinkonsum, Zuckerkrankheit oder erhöhte Cholesterinwerte).

Hier wird aber auch sehr deutlich, dass Veränderungen des Lebensstils („lifestyle changes“), die auf diese Risikofaktoren einen großen Einfluss haben, ein sehr hoher Stellenwert bei der Behandlung eingeräumt wird.

Hervorzuheben sind hier:

  • Nikotinverzicht
  • Körperliche Aktivität und Sport
  • Salzärmere Ernährung
  • Gewichtsabnahme
  • Reduktion eines übermäßigen Alkoholkonsums
  • Die Lebensstilveränderungen stehen immer an erster Stelle!

Eine sofortige medikamentöse Therapie wird allerdings bei einem oberen Blutdruckwert von über 180 mm Hg und/oder einem unteren Wert ab 110 mm Hg und darüber empfohlen.

Bei oberen Werten zwischen 140 und 160 mm Hg und/oder unteren Werten zwischen 100 und 110 Hg kann zuerst noch der Effekt einer Lebensstiländerung abgewartet werden. Selbstverständlich muss immer berücksichtigt werden, ob es für nicht medikamentöse Maßnahmen überhaupt noch ein Spielraum gibt bzw. wie realistisch entsprechende Veränderungen im Einzelfall sind.

Hervorzuheben ist auch der hohe Stellenwert, der in den neuesten Leitlinien sowohl der Langzeit-Blutdruck-Messung als auch den Blutdruck-Selbstmessungen beigemessen wird. Dabei muss berücksichtigt werden, dass diese Werte generell etwas niedriger liegen als bei der Messung in der Arztpraxis („Weisskittelhochdruck“). Ein Blutdruck von 140/90 mm Hg in der Arztpraxis entspricht einem selbst gemessenen Wert von 135/85 mm Hg (selbstverständlich unter definierten Bedingungen mit einem qualitätsgeprüften und geeichten Oberarmmessgerät). Deshalb muss bei Selbstmessungen auch von einem angestrebten Zielwert für den Blutdruck von unter 135/85 mm Hg ausgegangen werden.

Die Frage, ob Patienten mit „mildem Bluthochdruck“ ohne weitere Risikofaktoren und ohne Organveränderungen (z. B. Kalkablagerungen in den Blutgefäßen) einer medikamentösen Therapie bedürfen, ist wissenschaftlich noch strittig.

Wir sind der Meinung, dass hier die hoch auflösende Ultraschalluntersuchung, insbesondere die der Halsschlagadern mit Messung der Innenschichtdicke IMT, ein wertvolles Instrument ist, um eine mögliche Gefährdung abschätzen und die Entscheidung für oder gegen Medikamente treffen zu können. Diese Untersuchung wird im Rahmen jedes Check-ups bei Praeveneo durchgeführt und im Rahmen des Abschlussgespräches ausführlich erläutert, um mit unseren Kunden/Patienten gemeinsam eine Entscheidung treffen zu können.

Ganz sicher aber stellt der unbehandelte bzw. nicht rechtzeitig behandelte Bluthochdruck mittel- bis langfristig eine größere Gefahr für die Gesundheit dar (z.B. Schlaganfall), als potentiell mögliche und seltene Nebenwirkungen durch die blutdrucksenkenden Medikamente. Zudem stehen uns heute zahlreiche moderne und nebenwirkungsarme Präparate zur Verfügung. Der Arzt orientiert sich hierbei an den aktuell gültigen (evidenz-basierten) Leitlinien und wird immer versuchen (ggfs. erforderliche) Medikamente so niedrig wie möglich zu dosieren.