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Triglyceride – die unterschätzte Gefahr

22. Juli 2014
von Dr. med. Eugen Renz

Während im Bereich des Fettstoffwechsels das Cholesterin ein allgemein bekannter Begriff ist, stellen wir in unseren Beratungsgesprächen immer wieder fest, dass die Triglyceride, oder auch Neutralfette genannt, weitgehend unbekannt sind.

Dabei spielen sie als Risikofaktor für die Gefäße (Arterienverkalkung) eine nicht zu unterschätzende Rolle. Bei sehr hohen Werten besteht außerdem die Gefahr für eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis).
Einerseits werden die Triglyceride mit der Nahrung aufgenommen, andererseits können die Triglyceride auch vom Körper selbst hergestellt werden und zwar bevorzugt aus Zucker bzw. ganz allgemein aus Kohlenhydraten sowie aus Alkohol. Sie bestehen aus Glycerin und drei daran hängenden Fettsäuren. Triglyceride dienen im Fettgewebe der Energiespeicherung.
Vor der Blutentnahme zur Bestimmung des Triglyceridwertes sollte eine Nüchternphase von mindestens 12 Stunden eingehalten werden, da die Triglyceride – im Gegensatz zum Cholesterin – bei Nahrungszufuhr rasch mit einem Anstieg reagieren.

Bis vor einigen Jahren wurde als Normwert im Blut noch eine Konzentration von < 200 mg/dl toleriert, inzwischen ist man etwas strenger geworden und fordert Werte von < 150 mg/dl.Es gibt angeborene Fettstoffwechselstörungen (primäre Hypertriglyzeridämie), die zu erhöhten Triglyzeridwerten führen. In anderen Fällen sind die erhöhten Werte die Folge anderer Faktoren oder Erkrankungen (sekundäre Hypertriglyzeridämie). Eine sekundäre Hypertriglyzeridämie kann verursacht werden durch:

  • Übergewicht bzw. Fettleibigkeit (Adipositas)
  • Insulinresistenz und Diabetes
  • Alkoholmissbrauch
  • Nierenfunktionsstörung (chronische Niereninsuffizienz)
  • Medikamente wie Beta-Blocker, Kortison und einige Diuretika (sogenannte Thiazide).

In unserer Wohlstandsgesellschaft sind Übergewicht und Fehlernährung die häufigste Ursache. Bereits ein Bauchumfang > 94 cm bei Männern bzw. > 80 cm bei Frauen erhöht das Risiko signifikant für die Vorstufe zu einer Zucker¬krank¬heit, auch Metabolisches Syndrom genannt.
Dann treten erhöhte Triglyceride häufig gleichzeitig auf mit einem niedrigen HDL-Cholesterin (das sogenannte „gute“ HDL – („Hab Dich Lieb“) Cholesterin), einem Bluthochdruck, einem erhöhten Insulinspiegel und evtl. schon leicht erhöhten Blutzuckerwerten. In dieser Situation sehen wir im Ultraschall fast immer auch Anzeichen für eine Fettleber. Man nennt dies Kombination von Veränderungen im Stoffwechsel auch Metabolisches oder Wohlstands-Syndrom.

Die Triglyceride sind also nicht nur ein eigenständiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Arterienverkalkung), sondern oft auch ein „Indikator“ für das Vorliegen weiterer Risikofaktoren im Rahmen eines Metabolischen Syndroms.

Wegen der engen Beziehung erhöhter Triglyceridwerte zum Metabolischen Syndrom ist bei der Ernährung insbesondere eine Reduktion der Kohlenhydrate von größter Bedeutung und gerade nicht primär eine Verminderung der Fettzufuhr. Omega-3-Fettsäuren (wie im fetten Seefisch enthalten) können sogar zu einer Verbesserung der Triglyceride beitragen.

Eine Ernährungsform, die diesen Anforderungen besonders gut entspricht, ist die kohlenhydratreduzierte LOGI-Methode. Ganz konkret heißt das: Süßigkeiten generell, besonders zuckerhaltige Softdrinks, aber auch alle anderen Kohlenhydrate wie Kartoffeln, Pasta, Reis („Sättigungsbeilagen“) und Brot sollten deutlich reduziert werden. Günstig sind alle kohlenhydratarmen Gemüse (Tomaten, Paprika, Zucchini, Auberginen, alle Kohlsorten, aber auch die fette Avocado) sowie Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen, Linsen) und eiweißhaltige Nahrungsmittel.